von Lars Erik Lundin, Camarillo, California
Ich kam vergleichsweise spät ans Fliegen. Erst mit 53 nahm ich meine ersten Stunden. Der Hauptgrund, dass ich nicht schon vorher angefangen hatte, war eine schlimme Graspollen-Allergie, die mich davon abhielt, meinen Jugendtraum vom Fliegen zu realisieren. Aber zum Glück verschwanden die Symptome mit der Zeit und etwa seit 1997 sind sie so unbedeutend, dass ich mich auch auf Grasplätzen wieder wohl fühlen kann.

Bergfalke SE-TLA (mein Ausdbildungsflugzeug) in meinem Heimatverein GSFK (www.gsfk.se)

Volvo XC90, der derzeitige Schleppwagen des GSFK, Alingsås
Schon nach der ersten Übungsstunde wusste ich, dass Fliegen mindestens so fantastisch ist, wie ich es mir immer vorgestellt hatte. Im ersten Sommer kam ich zum Erstflug, bekam meine Lizenz im zweiten und zwei Jahre später hatte ich die Einweisung für Überlandflüge. Während der folgenden zwei Jahre flog ich zusammen mit einem erfahrenen Piloten zwei regionale Wettbewerbe mit in einem "DG-500 Trainer". Ich habe sehr viel bei diesen Flügen gelernt und kann nur jedem empfehlen, es ebenso zu machen, wenn er Erfahrung im Überlandflug bekommen möchte!


Henry Leuchovius und ich in der DG-500 unseres Vereins während der District Championships 2002
Im Jahre2001 zog ich um von der Westküste in Schweden zur Westküste der USA. Seitdem wohne ich in Camarillo, California, ungefähr 100 km NW von Los Angeles International Airport (LAX). Ich kann dort auch segelfliegen; ein Flugplatz ist in ungefähr 1 1/2 Stunden Fahrt von Camarillo zu erreichen. Dort am Crystal Glider Port lernte ich Segelfliegen nach amerikanischer Art. Mein Lehrer war Ron Gregg, den jeder in der Gegend kennt, der mit Segelflugzeugen zu tun hat.

Ron Gregg und die Great Western Soaring School mit ihrer DG-505 in Crystal, CA (greatwesternsoaring.com)
Außerdem begann ich 2002 mit Flugunterricht für Motorflugzeuge. Da der Flugplatz nur 10 Minuten von Camarillo entfernt ist, konnte ich einfach nicht widerstehen.
Eine Cessna 172 zu fliegen, nachdem man gerade in einer LS-8 gesessen hat, kann man wirklich nur vergleichen mit einem alten Lastwagen, in den man nach einem Rennen mit einem Formel 1 Wagen steigt. (Ich fahre übrigens auch Autorennen!)
Andererseits ist es natürlich sehr bequem, ein Motorflugzeug zu mieten, statt sich in den Verkehr auf den dauernd überfüllten Autobahnen Kaliforniens zu stürzen. Außerdem macht man beim Motorfliegen andere Erfahrungen, was ebenfalls einen gewissen "Kick" darstellt.

Hier bin ich in der Cirrus SR22 von Camarillo (KCMA) und Channel Island Aviation's (flycia.com).
Während des Sommers 2005 machte ich in meinem Schwedischen Heimatverein die Typeneinweisung für "SSG" (Self Sustaining Glider) auf einem Duo-DiscusT. Ganz offensichtlich machen mir Überlandflüge viel mehr Spaß, wenn ich nicht dauernd daran denken muss, ob ich bald meine erste "echte" Außenlandung machen muss. Bis dahin hatten wir Aupßenlandungen nur simuliert und eine einzige echte auf einem entfernten Flugfeld durchgeführt. Dennoch muss man immer daran denken, dass der Motor in dem Moment, wo man ihn braucht, vielleicht doch nicht anspringt. Warten Sie also nicht, bis Sie zu niedrig sind sondern nutzen Sie den Motor schon, solange Sie noch verschiedene Optionen zur Verfügung haben. Sie verlieren wirklich unglaublich schnell an Höhe, wenn das Triebwerk erst draußen ist!
Ich habe Friedel (Karl-Friedrich Weber) im Sommer 2000 kennen gelernt, als er nach Göteborg/Schweden kam, um Yves Bastien zu besuchen, der dort als Commander mit seinem Schiff "HMCS Halifax" der Canadian Navy war. (Lesen Sie auch: "Florida Träume – eine Internet Romanze" und "Ein etwas anderer "Flug"bericht" unter "Flug-Berichte" auf der DG Webseite). Friedel und ich trafen uns noch mehrfach während der SSA Treffen (Soaring Society of America), wenn sie ihre jährliche Convention in Ontario, California abhielten. Mit einer Dauereinladung, Friedel und die DG-Fabrik zu besuchen, schaffte ich es schließlich Anfang Juni 2006 nach Bruchsal zu fahren. Auf dem Weg dorthin hatte ich einen tollen Aufenthalt in Friedels Ferienhaus am Steinhuder Meer und konnte seine und die fantastische Gastfreundschaft seiner Frau genießen. Auf dem weiteren Weg besuchte ich noch das Segelflugmuseum auf der Wasserkuppe. Wenn Sie jemals die Möglichkeit dazu haben - fahren Sie unbedingt auch dorthin!


Segelflug Museum Wasserkuppe, Germany
Die Fabrik zu besichtigen war wie die Erfüllung eines Traumes und neben einer DG-808C zu hocken, jagte mir förmlich Schauer über den Rücken. Es ist das gleiche Empfinden, dass ich manchmal habe, wenn ich nahe an einem Formel 1 Rennwagen stehe. Es ist eine Rennmaschine - ebenso rassig wie schön!

DG-808C in der DG Fabrik
Als Friedel mir anbot, dieses Flugzeug einmal zu fliegen, schossen mir eine Menge widersprüchlicher Gedanken durch den Kopf:
Ich würde dieses wunderschöne Flugzeug wirklich gern fliegen - ABER....
Ich musste mir zugeben, dass mich die Vorstellung nervös machte, in einem mir unbekannten Lauftraum zu fliegen mit dessen unvermeidlichen Besonderheiten und ohne eine entsprechende Einweisung in einem Doppelsitzer.
Ich fühlte mich ein wenig wie vor meinem ersten Alleinflug:
Alle neuen ungewöhnlichen Erfahrungen hatte ich immer nur gemacht mit dem sicheren Gefühl, auf dem hinteren Sitz einen erfahrenen Fluglehrer zu haben.
Andererseits war mir natürlich sehr schnell klar:
Wenn ich diese Gelegenheit hier und jetzt nicht ergreifen würde, würde es mir den Rest meines Lebens leid tun! So entschloss ich mich kurz und knapp, es zu wagen.
Das Flugzeug wurde aus der Halle und über das Vorfeld und eine schmale Brücke auf den Grasplatz gerollt.

Der Taxiway von der Fabrik zum Flugfeld
Friedel gab mir eine Einweisung in die Besonderheiten der DG-808C - es war wirklich nicht schwierig zu lernen. Das Triebwerk ist unglaublich einfach zu bedienen. Verglichen mit dem mir vertrauten DuoDiscus ist die DG-808C von unübertrefflicher Einfachheit. Das DEI System (Digital Engine Indicator) vereinfacht die Arbeit des Piloten unglaublich. Ich kann nur sagen, dass alle Flugzeug Hersteller sich das DEI ansehen und davon lernen sollten. Durch das DEI kann sich der Pilot auf das Fliegen konzentrieren und muss sich nicht durch komplizierte Checklisten quälen, um zu wissen, wie man das Triebwerk ein- und ausfährt.
Und obendrein gibt das DEI während des Fluges eine Reihe nützlicher Informationen und Warnungen.

(Fast) fertig zum Start mit der DG-808C
Dieses Flugzeug war außerdem mit dem NOAH Notausstiegssystem ausgestattet. Dies ist im Grunde ein großes aufblasbares Luftkissen, welches dem Piloten hilft, ein beschädigtes Flugzeug zu verlassen. Der Auslösegriff ist mit dem Anschnallgurt verbunden, so dass dieser zuerst geöffnet wird, wenn man am Griff zieht.
Der "Piggot-Haken" ist ein weiteres Sicherheits-Feature, von dem ich gelesen hatte, aber es nie erproben konnte.
"Sicherheit" ist das wichtigste und herausragende Merkmal von VOLVO-Autos, für die ich die letzten 35 Jahre gearbeitet habe. So fühlte ich mich einfach wohl in einem Flugzeug, dessen Hersteller Sicherheits-Innovationen wirklich realisiert und nicht nur davon redet!
Es war für mich etwas ungewohnt, das Flugzeug das ganze Flugfeld entlang zu rollen, aber Friedel hielt mir die Fläche und plötzlich stand ich auf der Bahn - Fertig zum Start!
Ich schob vorsichtig den Gashebel vor und der Flieger beschleunigte rasant auf der Grasbahn. Früher als erwartet war ich frei und stieg mit mehr als 4m/sek (800+ ft/min). Entsprechend Friedel's Empfehlung stieg ich gleich auf 2.000m, bevor ich das Gas zurück nahm und die Zündung ausschaltete. Im Rückspiegel sah ich, wie der Computer den Rest für mich erledigte. Etwas später erschien am Panel das Zeichen, dass das Triebwerk voll eingefahren war.
Dann zeigte das DEI: "Warning Landing Gear up!", und ich merkte, dass ich völlig vergessen hatte, das Fahrwerk einzufahren. Das war mir noch nie vorher passiert, und wahrscheinlich lag es an der ganzen Aufregung, aber es gibt eben für jeden neuen Fehler, den man macht, immer ein erstes Mal!

Fliegen der DG-808C über Deutschland
Nachdem ich eine Weile durch die ruhige Luft abgeglitten war, kam ich bis auf 1.000 m hinunter und startete das Triebwerk erneut - einfach nur, um zu wissen, ob es funktioniert, falls ich es wirklich einmal benötigen sollte. Ich stellte erneut fest, dass sowohl das Ein- als auch das Ausfahren extrem einfach war.
Wie ich schließlich näher an die Wälder nord-östlich von Bruchsal heran kam, spürte ich die erste leichte Thermik, die ich gleich nutzte, um Kurs auf Heidelberg zu nehmen. Das recht gute Segelflugwetter schien sich sogar noch weiter zu verbessern.

Das alte Heidelberg von oben
Ich war durch und durch begeistert von dem schönen Flieger. Er flog bequem und einfach sowohl in der Thermik als auch auf Strecke auf der Suche nach den nächsten Aufwindfeldern. Schon nach einer halben Stunde kam es mir so vor, als ob ich immer dieses Flugzeug geflogen wäre und so steuerte ich weit nach Nord-Osten. Zwar sagte mir die Karte, dass ich irgendwann zur Süd-Ost Grenze der Frankfurter Kontrollzone kommen würde, aber dennoch war völlig überrumpelt, als der für mich noch unbekannte Zander-Bordrechner plötzlich eine Warnung ausgab so ähnlich wie:
"Wollen Sie wirklich in die Frankfurter Kontrollzone einfliegen?"
Natürlich machte ich auf dem Absatz kehrt und nahm Kurs auf Bruchsal.
Ich passierte Heidelberg und den Neckar, den ich in der Ferne erkennen konnte. Langsam sollte ich auch Bruchsal sehen können mit dem Flugfeld, aber ich fand es nicht. Es war für mich schon etwas ärgerlich, nicht den Weg nach Hause nach Hause zu wissen! Dabei war ich sicher, ausreichende Höhe zu haben, aber - um die Sache nicht kritisch werden zu lassen - erinnerte ich mich schnell an die alte Regel: "Better Safe then Sorry" und startete den Motor ein letztes Mal. Nach Erreichen einer wirklich sicheren Höhe, schaute ich noch einmal in die Karte und fand Bruchsal sofort, nur wenige Kilometer weiter weg. Es war schon eine Erleichterung, all die Merkmale des heimatlichen Flugfeldes zu identifizieren.

Gar nicht so einfach, zufrieden und entspannt auszusehen, wenn man den Arm für ein Foto ausstrecken muss!
Die Landung war wirklich einfach. Alles ging wie geplant und die Luftbremsen waren von ausgezeichneter Wirksamkeit.
Ich landete mit einem "Breiten Lächeln" im Gesicht und einem neuen Traum.
Der Traum war, einen eigenstartfähigen Doppelsitzer zu haben - am besten in einer Haltergemeinschaft von 3 bis 6 Leuten.
Warum Doppelsitzer? Nach meiner Meinung hat man zu zwei Piloten in einem Flugzeug deutlich mehr Spaß, weil man alle Erlebnisse mit jemanden teilen kann. Und natürlich kann man solch ein Flugzeug auch allein fliegen, wenn man es denn möchte!
Friedel, und alle nette Leute von DG:
und
Nun ja - wir sehen uns ständig nach Möglichkeiten um, eine DG-1000M zu realisieren. Aber wir brauchen dafür ein wirklich zuverlässiges Triebwerk, und das ist auf dem Weltmarkt derzeit nicht verfügbar - Schade!
Es gibt übrigens noch einen Film auf unserer Webseite, der aus "Abfallbildern" gemacht wurde, die bei den Aufnahmen für einen Film anlässlich der Einführung eines neuen Volvos entstanden:

Erholung in meinem Ferienhaus