(Flight Alarm)
Auf Anregung des Fördervereins "Rettungssystem" veröffentlichen wir hier einen Artikel zum Kollisions-Warngerät FLARM.
Dies ist wirklich eine sehr hilfreiche Entwicklung, um Kollisionen in der Luft zu verhindern.
Jährlich finden in der Kleinfliegerei weltweit rund zwei Dutzend Kollisionen statt. Viele der glimpflich abgelaufenen Zusammenstösse sowie derjenigen mit Hängegleitern gehen in diese Statistik mangels Kenntnis nicht ein. Von den davon betroffenen etwa 50 Flugzeugen sind über ein Drittel Segelflugzeuge. Bei Kollisionen überlebt in etwa jeder zweite Beteiligte nicht.
Kollisionen stellen die zweithäufigste Unfall- und Todesursache im Segelflug dar, in etwa jeder dritte Todesfall ist auf Kollisionen zurückzuführen. Dies war auch 2004 wieder so.
Die uns vorliegenden Informationen lassen in etwa folgende Aussagen für den Segelflug weltweit, d.h. auch im Flachland, zu: Eine von vier Kollisionen ereignet sich beim beidseitigen Geradeausflug, bei jeder zweiten Kollision war mindestens ein Flugzeug nicht am Geradeausfliegen, etwa jede zweite Kollision ereignet sich in Flugplatznähe. Zusammenstösse mit anderen Flugzeugen treten in strukturiertem Gelände – Hügel oder Berge - insofern gehäuft auf, als dass hier die Thermik wesentlich stärker geländebezogen organisiert ist, sodass sich trotz freiem Luftraum freiwillige Luftstrassen ergeben. Zusätzlich trüben Zusammenstösse mit Hindernissen die Statistik. Im Gegensatz zu den Mid-Air’s treten diese gehäuft in gebirgigem Gelände auf.
Rausschauen, das Einhalten der Verhaltensregeln sowie Warnmarkierungen sind unabdinglich, können aber Zusammenstösse nicht verhindern: Kollisionen treten geometrisch bedingt genau dann auf, wenn sich Objekte in stehender Peilung bewegen. Das andere Flugobjekt bewegt sich damit nicht, es wird nur langsam grösser. Unser Sehapparat ist für diese langsame Veränderung nicht ausgelegt.
Für die kommerzielle Luftfahrt existiert TCAS, das vor Annäherungen warnt und so Kollisionen vermeidet. TCAS ist auch in der Lage, Annäherungen an Transponder-ausgerüstete Segelflugzeuge zu erkennen. Es kann aber nicht Annäherungen zwischen zwei Segelflugzeugen oder anderen Flugzeugen der Sportfliegerei erkennen und wird sich in der Kleinfliegerei nie durchsetzen. Gerade diese Bedrohung ist aber für eine Mehrzahl der Unfälle verantwortlich. Ein für den Segelflug geeignetes System muss klein und kostengünstig sein und darf nur wenig Strom gebrauchen. Seit es GPS gibt, bestehen solche Konzepte.
Für diesen Zweck wurde FLARM entwickelt und konnte in der vergangenen Saison in der Schweiz und im nahen Ausland einen fulminanten Start feiern. Auf Anhieb wurde etwa die Hälfte der Schweizer Segelflugzeuge mit FLARM ausgerüstet, sodass im Sommer 2004 bereits breite Erfahrungen gesammelt werden konnten. Weitere Bestellungen aus dem In- und Ausland treffen laufend ein, sodass in der Saison 2005 mit einer grossen Verbreitung gerechnet werden kann. FLARM ist für sämtliche Kleinflugzeuge und Hubschrauber und vom Prinzip her auch Hängegleiter geeignet. FLARM wird auf nicht-kommerzieller Basis durch den Verein „FLARM Technology“ entwickelt und vertrieben.
FLARM bezieht Positions- und Bewegungsinformationen vom integrierten Präzisions-GPS. Der zukünftige wahrscheinliche Flugweg wird bis zu 30 Sekunden vorausberechnet und über einen eigenen Funkkanal als digitale Meldung verbreitet. Gleichzeitig werden diese Meldungen anderer FLARM-Geräte empfangen und mit dem prognostizierten eigenen Flugweg verglichen. Ebenfalls wird der eigene Flugweg mit den im Gerät gespeicherten festen Hindernissen verglichen. Nur falls dabei eine gefährliche Situation festgestellt wird, warnt FLARM den Piloten vor dem gemäss Berechnung gefährlichsten Objekt. Die GPS- und Kollisionsangaben sind zusätzlich über einen seriellen Datenausgang zur Verwendung für Drittgeräte (z.B. PDA) verfügbar. Verschiedene Hersteller von PDA-Software und Bordrechnern sind dabei, die so erhaltenen Warnsignale auf dem Display darzustellen.
FLARM ist nicht nur in der Lage, vor Flugzeugen zu warnen, welche mit FLARM ausgerüstet sind. Ebenso sind in FLARM bekannte Flughindernisse gespeichert (Seilbahnen, Stromleitungen, Sprengseile, Antennen usw.) – gegenwärtig über 26.000 Koordinaten aus Frankreich, Österreich und der Schweiz.
FLARM ist als Gerät so gebaut, dass es den Piloten nicht ablenkt. Ohne gefährlichen Verkehr ist es still. Wenn eine Gefahr besteht, erfolgt eine selektive Warnung, die den Piloten vor allem zu gezieltem Rausschauen anregt. Die Warnung zeigt an, aus welcher Richtung der Verkehr kommt und wie bedrohlich er vom System eingestuft wird. Sobald sich die Situation entschärft, wird keine Warnung mehr angezeigt. Mit einer Kollisionswarnung kann das Risiko allerdings nur bei unverändertem Risikoverhalten des Piloten reduziert werden. Auch mit FLARM darf deshalb niemals näher bei Wolken geflogen werden.
Beim Kurbeln passt FLARM die Sensitivität der Situation an, da die Abstände recht klein sind und sein dürfen. Ein Daueralarm wäre sinnlos. Annäherungen haben immer auch eine Vorgeschichte, in den meisten Fällen erfolgt die Warnung entsprechend vorher, zum Beispiel dann, wenn das eine Flugzeug erstmals in den Pulk einfliegt.
Der FLARM zugrundeliegende Kommunikationsstandard ist offen zugänglich und wurde anfangs Jahr der IGC präsentiert. Das benutzte Frequenzband darf überall in Europa lizenzfrei benutzt werden. Länderabhängig können Nutzungseinschränkungen in der Luft bestehen. Wir sind gegenwärtig dabei, mit den entsprechenden Behörden die Zulassung sicherzustellen und können in einzelnen Ländern bereits Erfolge verzeichnen. FLARM ist so ausgelegt, dass über 50 Geräte innerhalb der Reichweite von bis etwa 2 km operieren können, ohne dass sie sich wesentlich stören oder zu einem Daueralarm führen.
FLARM ist klein gebaut und verbraucht auch im Vergleich zu anderen Geräten im Segelflug sehr wenig Strom (116 g, 11x7.5x2.5 cm, 52mA bei 12V). Für einen platzsparenden Einbau sind zusätzlich externe Displays (EUR 50) (5x2.5x0.45 cm) verfügbar. Softwareerweiterungen und neue Hindernisdaten können durch den Benützer im Internet bezogen und auf einfache Weise in FLARM überspielt werden. Dazu kann ein Standard-IGC Loggerkabel verwendet werden.
Andrea Schlapbach, Urs Rothacher, Holger Back
Kollisionswarnungen | Hochauflösendes Bildmaterial mit Namenshinweis:
http://www.flarm.com/pics/high_resolution_picts/
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„Bestellaktion in Deutschland zu Sonderkonditionen“:FLARM wird in Deutschland im Rahmen einer durch den Förderverein für Rettungssysteme e.V. unterstützten Aktion wie folgt angeboten: Bestellungen, die bis zum 6. Dezember 2004 eintreffen, kosten EUR 480 inkl. MWSt. Bestellungen ab 6 Stück erhalten 10%, ab 10 Stück 15% Rabatt. Die Auslieferung erfolgt auf den Saisonbeginn 2005 hin. Mit diesen Preisen ist FLARM deutlich preiswerter als Logger oder Bordrechner. Die Bestellung kann als konditional bezeichnet werden, sie gilt dann nur, wenn zum einen eine ausreichende lokale Verbreitung erreicht wird und zum anderen die Zustimmung der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post vorliegt. Bestellscheine sind unter www.flarm.com oder info(at)flarm.com erhältlich.
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„ADS-B Systeme“:„ADS-B (Automatic Dependent Surveillance Broadcast) ist ein schon früh und vielfach beschriebenes Konzept, bei welchem jedes Luftfahrzeug selbst die wichtigsten Daten (u.a. Identifikation, Positions- und Bewegungsparameter, Ziel) blind ausstrahlt, sodass andere Verkehrsteilnehmer und die Flugsicherung daraus den Verkehrsfluss regeln können.
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Zitat: Jérémie Badaroux, Wettbewerbspilot aus St. Crépin (F): „Ich war ausgesprochen von der Zuverlässigkeit überrascht. FLARM hat mich vor dem Gegenverkehr rechtzeitig gewarnt, obwohl wir uns mit über 400 km/h angenähert haben. Auch beim Kurbeln zeigt FLARM die Position anderer gefährlicher Flugzeuge gut an und warnt laut, wenn sich die Flugwege schneiden werden.“
| Zitat: Bericht des Veranstalters der Staatsmeisterschaften Timmersdorf (Oe) 2004: „Sämtliche Segelflugzeuge im Wettbewerb und die Schleppmaschinen waren mit FLARM ausgestattet. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass die Geräte ihren Zweck erfüllen und zuverlässig vor einer gefährlichen Annäherung warnen.“
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Hierzu gibt es in unserer Reihe: "Tipps und Tricks" bereits einen Beitrag.
Für einen Einbau in eine DG-1000 schickte uns Robin Baumgartner ein paar Fotos:
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aus: "Der Lilienthaler" 01/2005
Mit Sicherheit haben viele von Euch die Entwicklung dieses Kollisionswarnsystems aus der Schweiz mit großem Interesse verfolgt. Stellt es doch, beim Versuch den Piloten bei der Luftraumbeobachtung zu unterstützen, einen gewaltigen Fortschritt dar - fast wie ein "TCAS light" ohne Anweisung -, eben von Segelfliegern für Segelflieger, aber nicht nur für die!
Allerdings werden sich viele, wie auch ich, die Frage nach der Akzeptanz von FLARM gestellt haben. In Zeiten knapper privater Haushaltskassen ist der Erwerb eines für den sportlichen Erfolg weniger interessanten Systems nur schwer zu vermitteln. Interessant ist daher vielleicht auch folgender Aspekt:
Gerade Familienangehörige dürften dieser Anschaffung eher ihre Zustimmung geben als dem Kauf einer PDA-unterstützten Moving Map oder eines neuen Mückenputzsystems. Schließlich dient FLARM allein dazu, dass man auch sicher (im ursprünglichen Sinne) nach Hause kommt!
Wenn denn die "zwangsverordnete" Transpondereinrichtung für Segelflugzeuge auch vom Tisch zu sein scheint, so ist dies für das Überleben finanziell schwacher Vereine gut. Aber zu mehr Flugsicherheit führt das leider nicht.
Dieses Manko kann FLARM mit geringerem Kostenansatz nur teilweise ausgleichen, aber dafür kann es in anderen Bereichen sogar mehr, wofür ein Transponder gegenwärtig eben noch nicht ausgelegt ist: die Kommunikation zwischen Segelflugzeugen zur Warnung vor bekannten Hindernissen!
Doch genau die Tatsache, dass nur eine weite Verbreitung dieses revolutionären Systems Erfolg bringt, birgt die Notwendigkeit, die generelle Interessenlage und Kaufbereitschaft zu prüfen, um somit dem Segelflieger ein Gefühl der Effizienz seiner Investition geben zu können.
Dass die Sportfachgruppe Segelflug im DAeC dies offensichtlich noch nicht als eine seiner Aufgaben zur Minderung der Zusammenstoßgefahr erkannt hat, ist unverständlich. Hier hätte man sicherlich Ergebnisse einer verbandsübergreifenden Marktanalyse und einer aktiven Produktdarstellung nutzen können. Auch namhafte Versicherungsmakler konnten mir bis heute keine Anfragen unseres Dachverbandes bestätigen, die darauf abgezielt hätten, die Versicherungen zur Abfederung der Investitionskosten mit in das gemeinsame Boot "Flugsicherheit" zu lotsen. Eine Nachfrage meinerseits wurde interessiert aufgenommen und eine Prüfung zugesichert.
Zur Zeit liegt der Systempreis bei ca. 600 Euro. Ab Mitte des Jahres kommt auch ein IGC-kompatibler Logger (allerdings noch nicht IGC-zertifiziert) zum Einsatz, Sollte eine größere Anzahl an Interessenten zu gewinnen sein, wären wir Berliner und Brandenburger mit neuester Version ab 2006 dabei. Wie schon 1995, als wir frühzeitig fast `flächendeckend' Loggersysteme bei unseren Meisterschaften einsetzen konnten, sollten wir auch hier mit den Süd- und Norddeutschen Vereinen am gleichen Strang ziehen.
Legt am besten jeden Monat ein paar Euros beiseite und meldet Euer Interesse an die SEKO oder direkt an mich. Mehr Informationen findet Ihr unter www.flarm.de.
Matthias Kaese, Fliegerklub Brandenburg
Bei meinem letzten Urlaub in Slowenien hatte ich natürlich in der DG-808C Competition ein FLARM an Bord.
Was brachte das nun?
In Slowenien selbst ist die Ausstattung mit FLARM-Geräten noch nicht sehr verbreitet. Man fliegt aber von Bled aus gewöhnlich nach Nord-Westen ins Gailtal nach Österreich, Italien und die Cracks kommen bis in die Schweiz - und in den Alpen hat heute schon fast jedes Segelflugzeug solch ein Gerät eingebaut. Man sieht auf der Anzeige das Vorhandensein irgendwelcher Kollegen lange, bevor man (ich) sie visuell erkennt. Es ist also nicht unbedingt notwendig, beim Aufleuchten einer roten LED, die einem Richtung und Höhe des Kollegen signalisiert, sofort in hektische Aktivität auszubrechen. Wenn dann aber zusätzlich die Hupe losgeht, sollte man den Gegner auch im Blick haben. Auf jeden Fall zeigt das Gerät, wo man suchen muss.
Fazit:
Nach meiner Einschätzung kann FLARM Zusammenstöße in der Luft fast zu 100% verhindern. Nicht verhindern kann es lediglich gefährliche Situationen, wenn jemand mitten in einen Bart mit kurbelnden Flugzeugen hinein knallt. Das ist grober Leichtsinn, aber wenigsten piept es dann überall...
Außerordentlich hilfreich ist das Gerät, wenn zwei Überlandflieger meinen, ganz allein im Luftraum zu sein und hingebungsvoll ihren IPAC programmieren oder am Bordrechner herum spielen. Dann merken sie plötzlich, dass sie doch nicht allein sind. Der Zugewinn an Sicherheit ist deshalb enorm und mit ca. 600,-- Euro - nach meiner unmaßgeblichen Meinung - außerordentlich preiswert zu erkaufen. Also:
Wettbewerbe:
Man hat mit FLARM einen gewissen Vorteil, weil man so die vor einem kreisende Flugzeuge "sieht", bevor man sie sieht. So erkennt man frühzeitig, wo die Thermik steht.
Das sollte dazu führen, dass alle Wettbewerbsflieger sich ein Gerät freiwillig kaufen und das wäre wieder ein erheblicher Beitrag für die Sicherheit.
Was sollten also die Verantwortlichen in der FAI tun? Bitte, bitte gar nichts! Dann setzt sich FLARM ganz von selbst durch!
....und dann wird sich ein Unfall, wie seinerzeit in Bayreuth, nicht wiederholen!
Unser Kunde Philippe de Péchy drehte ein kleines Video, wie das FLARM funktioniert. Er ist ebenfalls von dessen Funktion begeistert und meint nur, dass man das Gerät auf jeden Fall an den oberen Rand eines Instrumentenbrettes montieren sollte, um es jederzeit im Blick zu haben.
Hier ist sein kleiner Film (5,1MB groß) - sehen Sie bitte genau auf die LED's, die anzeigen, von wo das andere Flugzeug zu erwarten ist!