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LS10 Historie

Immer wieder und zuletzt auf der AERO 2005 werden wir nach der LS10 gefragt, auf die viele Piloten warten. Wir in Bruchsal bringen dieses Thema immer wieder auf die Tagesordnung und zerbrechen uns selbst den Kopf. Ich möchte Sie mit dieser Mail im Sinne einer offenen und ehrlichen Informationspolitik genau über den derzeitigen Stand des Projektfortschritts LS 10 informieren.

Das Problem hat drei Aspekte, die es zu berücksichtigen gilt:

Zur rechtlichen Situation:

Sie erinnern sich: Wir hatten im Juli 2003 zwar Kenntnis von gewissen wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Rolladen-Schneider, aber von einer Insolvenz war keine Rede. In dieser Situation verkauften uns die Gesellschafter und Geschäftsführer die Produktionsmittel des Unternehmens zu einem sehr fairen Preis.
Der Versuch, das Unternehmen ordnungsgemäß zu liquidieren, schlug fehl, da die Mitarbeiter die halb-fertigen Flugzeuge nicht zu Ende bauten. Eine Insolvenz von Rolladen-Schneider wurde unvermeidlich.

Wir bauten in vier Monaten die Marke wieder auf, investierten Hundertausende von Euro in das Produkt, das Ersatzteillager, die Formen und die Werbung und dann bot ein anderer Investor dem Insolvenzverwalter einen - selbstverständlich - höheren Preis. Dass dieser "andere" ein wichtiger Geschäftspartner von uns war, gibt der Angelegenheit einen zusätzlichen schlechten Beigeschmack.

Der Insolvenzverwalter focht unseren Vertrag an (nachdem er zwei Wochen vorher noch das Gegenteil versichert hatte!) und verlangte Rückabwicklung des ganzen Geschäfts. Es kam zum Rechtsstreit, den er im Februar 2005 komplett verlor. Er ging aber im März in die Berufung. Und so schwebt diese Ungewissheit noch immer über der "LS-Story" und hat natürlich auch die Marke und die weitere Entwicklung von "LS" schwer beschädigt.

Solange jedenfalls diese Geschichte nicht endgültig entschieden ist, sind wir in der weiteren Entwicklung blockiert. Wir können nicht die Investition in die LS10 finanzieren, wenn gleichzeitig das "Damokles-Schwert" über uns schwebt, eine riesige Summe anSchadensersatz an den Insolvenzverwalter zahlen zu müssen. Das kann das Unternehmen nun wirklich nicht leisten.

Die technische Beurteilung:

"Wie gut ist die LS10 denn nun wirklich?" - diese Frage haben wir uns natürlich selbst ganz genau gestellt und haben das Flugzeug gegen alle derzeitigen Muster unserer Wettbewerber fliegen lassen. Das waren zwar keine Testflüge "unter Laborbedingungen", aber es wurde doch deutlich, dass die LS10 besser war als alle derzeit am Markt verfügbaren Flugzeugmuster, wenn auch die Unterschiede nicht gravierend waren.

Nun muss man berücksichtigen, dass unsere LS10 noch komplett "roh" war. Das Feintuning mit der richtigen Form und Position von Turbolator- und Abdeckbändern hatte noch gar nicht stattgefunden. Erfahrungsgemäß steckt in diesem Feintuning jedoch noch ein beachtliches Leistungspotenzial, so dass durchaus ein weiterer Leistungssprung bei der LS10 denkbar ist.

Der Rumpf der LS10 entspricht weitgehend dem der LS8. Wenn wir ihn entsprechend den Verbesserungen der LS8-s überarbeiten, ist das eine gelungene Kombination.

Leider mussten wir erleben, dass die Formen und Produktionsmittel von Rolladen-Schneider in einem ziemlich desolaten Zustand waren und dass obendrein LS-Flugzeuge von der Konstruktion her sehr kompliziert gebaut sind und deshalb nur vergleichsweise teuer produziert werden können.

Aus all dem folgt:

Wirtschaftliche Betrachtung:

Jeder weiß, dass einerseits die Zulassung neuer Flugzeuge immer teurer wird und andererseits die später gebauten Stückzahlen nie mehr die Größe früherer Jahre erreichen werden.
Da öffnet sich eine Schere ständig weiter.

Die Kosten der Entwicklung der neuen LS10 werden sicher  bei mehr als 500.000 Euro liegen. Hier sind daher für ein Unternehmen wie unseres genaue Überlegungen und präzise Vorplanungen nötig, um den gesamten Zulassungsaufwand so gering wie möglich zu halten. Diese Vorplanungen, die wir gerade jetzt durchführen, nehmen mehr Zeit in Anspruch, als wir beim Kauf von LS angenommen hatten. Solange obendrein der Rechtsstreit noch nicht endgültig entschieden ist, sind aber die hierin enthaltenen wirtschaftlichen Risiken einfach noch zu groß für uns.

Wir werden diesen Rechtstreit gewinnen, da sind wir uns sicher und eines wissen alle, die den Prototypen bereits geflogen sind:

"Es lohnt sich, noch ein bisschen abzuwarten. Die LS 10 wird einfach Klasse!" 

 


Wir haben gewonnen!

Ende August lehnte das Oberlandesgericht in Karlsruhe die Berufung des Insolvenzverwalters gegen das Urteil vom Februar 2005 endgültig ab, da "offensichtlich unbegründet"! Ein Sieg von uns auf der ganzen Linie, wenn auch ein "Phyrrus-Sieg". Denn nun haben wir zwar die Bestätigung, alle Rechte der Marke "LS" von Anfang an völlig korrekt übernommen zu haben, aber durch die lange Verzögerung hat natürlich die Marke Schaden gelitten und viele Kunden und Interessenten haben sich aufgrund der Unsicherheit Produkten unserer Wettbewerber zugewandt.
Ich kann es Ihnen nicht verdenken.

Aber jetzt ist der Weg frei!

Und als wenn uns jemand einen weiteren Hinweis hätte geben wollen, hat auch noch Ralf Fischer mit der LS10 den zweiten Platz in der Europameisterschaft erflogen und unser Produktionsleiter Holger Back den ersten Preis in der Deutschen Meisterschaft der 18m Klasse gewonnen. Wenn das kein Ansporn ist....

Und so wird jetzt die LS10 von uns mit Hochdruck entwickelt. Es wird sie natürlich in der 18m Version und auch mit Turboantrieb geben, aber es wird auch eine für die 15m Rennklasse optimierte Version geben durch entsprechende Flügelteilung und speziell entwickelte Winglets.

Wir hoffen, dass wir noch im nächsten Jahr mit der Serienproduktion werden beginnen können und zuerst werden die Kunden bedient werden, die zum Teil schon vor langer Zeit eine Option gezeichnet haben und sich durch alle Irritationen der vergangenen 2 Jahre nicht haben beirren lassen, der Marke LS die Treue zu halten.

Weitere Optionen nehmen wir gern entgegen, bis wir mit Beginn der Serienproduktion nur noch feste Bestellungen akzeptieren.

Es gibt jetzt viel zu tun. Lasst es uns machen!



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