DG Flugzeugbau GmbH / Passion, Power + Performance

Wie verkauft man Sicherheit?

Ein Meinungsaustausch

Im Frühjahr 2004 hatte ich einen recht umfangreichen Gedankenaustausch mit  Klaus Kleinhoff, der seit über 20 Jahren in und von der Automobilindustrie mit den dort üblichen Sicherheitsphilosophien gearbeitet hat.

Da viele seiner Äußerungen - meiner Meinung nach - von einer frappanten Eindringlichkeit und Selbstverständlichkeit sind und dennoch vielfach unbeachtet bleiben, möchte ich Ihnen im folgenden die diversen Mails - nur unwesentlich gekürzt - zur Verfügung stellen, um Ihre Meinung dazu zu erfragen.


Sehr geehrter Herr Weber,

ich möchte Sie ermuntern, diese noch unpopuläre Botschaft weiter zu verbreiten. Am Ende (auch wenn dies sicherlich noch nicht in 3 Wochen eintreten wird) werden Sie nicht nur Recht behalten, sondern damit auch Gewinn erzielen können. Wenn Sie mögen, kann ich Ihnen auch meine Ansicht mitteilen dazu, wie sich dieser langwierige und  steinige Weg ein wenig kürzer und komfortabler gestalten lässt; aber ich will mich auch nicht ungefragt als„Lehrer“ aufspielen (der ich auch nicht bin, sondern ganz normaler Dipl.-Ing.). 

Darum nur die Stichworte: Gezielte Öffentlichkeitsarbeit mit
 - identifizierender Ansprache und Tests neutraler Institute,
 - Entwicklung eines Markenprofiles (siehe etwa Volvo seit den 70er-Jahren). 

Ich habe folgende eigene Betroffenheit:
In meiner Jugend hat sich ein Vereinskamerad durch Überziehen bei der Landung in etwa 1,2 m Höhe (Er war vorher einige Male eine Piper Colt geflogen) eine Querschnittlähmung zugezogen. Er hatte zu dem Zeitpunkt immerhin gut 1.000 Stunden Flugerfahrung. Unter anderem wegen dieses aber auch wegen der ellenlangen Liste weiterer Unfälle mit Segelflugzeugen hat meine Frau mir verboten, unsere Kinder an den Segelflug heranzuführen bei Androhung der Ehescheidung.

Mit freundlichen Grüßen / Kind regards

Klaus Kleinhoff

Hallo Herr Kleinhoff

Ja, frustrierend ist das alles, aber wenn Sie dezidierte Vorschläge
haben, etwas zu verbessern, schreiben Sie es ruhig.

Wenn es passt, werde ich es irgendwo veröffentlichen - denn nur dann
hat es Breitenwirkung.

Hallo Herr Weber,

nein, die Erfolg versprechende Strategie komplett zu veröffentlichen, wäre falsch, denn dann würde sie gerade keinen großen Erfolg mehr versprechen. Die Botschaft, die es zu transportieren gilt, besteht aus zwei ganz verschiedenen Teilen:

1. den sachlich und nüchtern den Sicherheitsgewinn (d. h. vor allem Erhöhung der Fehlertoleranz) einer Maßnahme gegen den Verlust an Geld und/oder Leichtigkeit und/oder Komfort und/oder Genuss abwägenden Teil und

2. den rein emotionalen, von seiner Triebgrundlage her streckenweise sexuellen Teil.

Durchgreifenden Erfolg werden Sie - oder auch wir, wenn Sie mögen -  nur haben, wenn beide Teile koordiniert angesprochen werden. Bezüglich des ersten Teiles ist Ihre bisherige Kampagne schon recht gut und dort gehört auch in der Tat breite und extrem aufrichtige Veröffentlichungsarbeit hin, wie Sie das ja schon betreiben.

Aber auf dem zweiten Klavier aber spielen Sie bislang gar nicht. Dadurch ist Ihr Ergebnis auch nur genauso erfolglos wie etwa das der angeblich abschreckenden Aufklärung auf Zigarettenschachteln. Selbst der der Aufdruck "Rauchen kann tödlich sein" schreckt kaum einen Raucher ab.

Ich habe beruflich von morgens bis abends mit Innovation zu tun, teilweise mit deren Generierung, hauptsächlich mit deren Schutz, aber auch mit der Selektion, welche Innovation sich gewinnbringend durchsetzen lässt und welche nicht und schließlich, in welchem Markt sie sich mit welcher Werbung und welchen Stilmitteln durchsetzen lässt.

Die Durchsetzung einer Idee bei einem Kunden gelingt nur, wenn man bei ihm einen ganz ähnlichen Prozess auszulösen vermag, wie ihn zuvor der Erfinder selbst durchlaufen hat:
Der Weg zur Erfindung lässt sich regelmäßig so darstellen, dass zunächst ein eingefahrenes Gleis verlassen werden muss (und jemanden hierzu zu veranlassen, dies ist meistens der dornenreichste Teil) und dann auf ein anderes Gleis aufgesetzt wird. Am Ende braucht der Kunde das Gefühl, selbst toller geworden zu sein. Die höhere Qualität des zu verkaufenden Produktes muss irgendwie auf ihn selber abfärben; allermindestens muss er sich das wenigstens einbilden können.

Und daran hapert es bei Ihrem Angebot einer Überziehwarnung. Es ist zwar schon schlimm genug, wie Sie in nachvollziehbarer Mischung aus Zorn (Nur weil ich verantwortlicher handeln will, unterstellt man mir schlechtere technische Kompetenz, welch eine Ungerechtigkeit!) und Verzweifelung (Soll ich eigentlich weiterhin mein Leben damit verbringen, wunderbar fliegende Selbstmordgeräte an Selbstmörder zu verkaufen?) schreiben, dass Ihrem Unternehmen ein "Mistflügel" unterstellt wird, aber das ist noch nicht der tiefste Grund. Der liegt vielmehr im Selbstdarstellungsbedürfnis eines jeden Menschen, also auch eines Piloten. Hätte er Ihre "Kiste" installiert, so müsste er sich womöglich von Vereinskameraden (noch schlimmer: von Kameradinnen) fragen lassen, ob er zu blöd sei, die korrekte Geschwindigkeit selber zu halten. Die Qualität des Produktes färbt also allenfalls negativ auf ihn ab.

Ein ganz kleiner Trost für Sie:
Dass ESP-Systeme in PKW, die "sportlich" sein wollen, abschaltbar sein müssen, liegt an dem gleichen psychischen Mechanismus: Er, der tolle Hecht als Fahrer, habe ESP zwar eigentlich nicht nötig, und deshalb meistens auch abgeschaltet (hoffentlich stimmt das nicht, aber es kann ja keiner überprüfen), wenn er selber fahre, aber er kann es sich halt leisten, dieses moderne Sicherheitssystem an Bord zu haben, damit eben auch seine Frau/Kinder, wenn sie fahre(n), immer sicher nach Hause komme(n).

So steht er dann nicht als nachhilfebedürftiger Depp da, sondern als solventer und souveräner Beschützer seiner Liebsten.

Verstehen Sie, dass er sich dabei viel attraktiver vorkommt? Der rein technisch gesehen völlig hirnrissige ESP-Abschaltknopf, der zudem noch die Kosten etwas weiter in die Höhe treibt, macht aus der ansonsten drohenden negativen Abfärbung vom Produkt auf seinen Käufer (und dann garantierter Erfolglosigkeit) eine positive (und damit einen wirtschaftlichen Erfolg).

Mit Ihrer bisherigen Kampagne lassen Sie diese emotionale Seite der anzusprechenden Kunden nicht nur unbearbeitet, Sie sprechen Sie sogar geradezu negativ an. Das stört Sie nicht in der Ansprache derjenigen Kunden, die bereits für sich entschieden haben, eine Überziehwarnung zu kaufen und sich nur noch fragen, welche. Es verdammt Sie aber zur Erfolglosigkeit in der Ansprache derjenigen (und vermutlich viel, viel zahlreicheren) Kunden, die sich bislang keine Überziehwarnung kaufen wollen.

Kurzum:
Sie brauchen ein geeignetes Analogon (nicht etwa eine genaue Kopie, denn die stünde für die hier anzusprechende durchschnittlich technisch höher interessierte Kundschaft in zu offensichtlichem Widerspruch zum rationalen Teil Ihrer Botschaft, würde also damit unglaubwürdig) des ESP-Abschaltknopfes.

Mit freundlichen Grüßen

Klaus Kleinhoff

Hallo Herr Kleinhoff

zwei Anmerkungen vorweg:

1.
Ich habe Ihre Mail meiner Frau gezeigt und sie sagte das Gleiche wie ich:
"Der Mann hat genau Recht!". Nur: "Was machen wir jetzt damit?"

2.
Mein ziemlich neuer Mercedes "S" hat ein ESP-System, dessen Wirkung ich auf trockener Fahrbahn bei Sonnenschein ich einmal testen "durfte", als eine Fahrerin vor mir bei leerer rechter Bahn von der Mittelspur nach links zog..... Das war recht beeindruckend!
Aber so einen Blödsinn wie einen Abschaltknopf hat mein System nicht!
So einen Quatsch macht doch keiner!

Au weia - hat es doch!
Es ist nicht zu fassen! Ich hatte den Schalter bisher gar nicht beachtet!
Das zeigt wirklich allzu deutlich, dass die Automobilhersteller über die - zur Vernunft teilweise in Konflikt stehende - Befindlichkeit ihrer Kundschaft eine klare Vorstellung haben!

Also haben Sie sogar zweimal Recht!

Gerade heute habe ich wieder einen Artikel ins Netz gestellt über einen Unfall in Riesa voriges Jahr. Auch da ist wieder "alles" falsch gemacht worden, und niemand lernt daraus!

Nachdem nun aber die zweite der obigen Fragen noch nicht beantwortet ist und Ihre Mail schon seit 4 Wochen in meinem Inbox-Ordner steht und mich jeden Tag anguckt, sollte jetzt was passieren:
Nämlich, was?

Was stellen Sie sich vor? Möchten Sie mit mir mal persönlich sprechen? In Bielefeld, Hannover oder Bruchsal?

Viele Fragen - jetzt sind Sie wieder dran!

Es grüßt Sie herzlich vom Steinhuder Meer!

Guten Abend Herr Weber,

also nun habe ich schon wieder viel zu lange gearbeitet, nun darf ich mir mal doch das Vergnügen leisten, mit Ihnen zu korrespondieren (Irgendwie lässt mich ja das Thema doch nicht los) :

Es gilt, ein Sicherheitsfeature als "sportlich" zu verkaufen. Da Sicherheit an sich eben nicht "sportlich" ist, sondern etwas von dem Gerüchle hat, eine Gehhilfe für feige Memmen zu sein, eine Haltung die im besonders balzbereiten Alter besonders stark ausgeprägt ist, darf der Sicherheitsgewinn nicht in den Vordergrund gestellt werden. Zur weiteren Vertiefung empfehle ich die Geschichte von Beate Riedel, der älteren Schwester von Peter Riedel (die dieser wohl sehr mochte) die gleichzeitig die Freundin von Peter Groenhoff war, dem einst so berühmten aber leider gar nicht verantwortungsbewussten Piloten des Fafnir. Er hat Beate im blühenden Alter von 19 Jahren nach einem zu waghalsigen Überholmanöver mit seinem Auto zu Tode gefahren.

Mit der von Ihnen bislang angebotenen Vorrichtung geht das aus zwei Gründen nicht:
1. Sie erfüllt keine sportliche Aufgabenstellung und
2. selbst wenn sie sie erfüllen könnte, so würde Ihnen das mit der bisherigen Marktvorbereitung niemand "abkaufen", weil es nun mal für "Gehhilfe" steht, nicht für "Rennrad".

Was also her muss ist:
1. ein anderes Produkt, das (nicht nur, aber auch) sportliche Funktion hat,
2. eine ansprechende ("coole!"), technisch klingende Marke z. B. "Maxcendentor" (aus maximized ascendent)
3. eine geheime und möglichst noch mehr geheimnisumwitterte Lancierung des Produktes in einer aussichtsreich um Weltmeisterschaftsehren kämpfenden Maschine,
4. eine darauf aufbauende Hauptwerbekampgane für die ("unvernünftigen") jungen Kunden 
5. eine dezente Information über die Sicherheitsvorteile an Fluglehrer, Vereinspräsidenten und Mäzene.

In den kommunizierten Mittelpunkt müssten wir stellen, dass eine für jede Flugsituation korrekte Berechnung der Geschwindigkeit, die zu geringst möglichem Sinken führt, ein schnelleres Steigen erlaubt. Und der Pilot sollte möglichst ein wenig integriert werden in die Einfütterung von Daten in den Rechner wie Schwerpunktlage, Gesamtgewicht, Bodenluftdruck, Böigkeit, Flugzeugträgheit (wobei mit den beiden letzten Parametern im Wesentlichen der Sicherheitsabstand der angezeigten Fahrtempfehlung von der tatsächlichen Fahrt für geringstes Sinken determiniert wird). Ein solcher Beschäftigungszwang macht das Gerät nicht nur erschwinglicher sondern auch für die Selbstdarstellung des Piloten "attraktiver".

Freundliche Grüße

Klaus Kleinhoff



 

Wir hatten Anfang Mai 2004 in meinem Ferienhaus am Steinhuder Meer eine sehr interessante Diskussion über ein spezielles Überziehwarngerät, dass sich aber aus Gründen, die hier nicht erörtert werden sollen, für Segelflieger doch nicht eignet. Das ist aber auch gar nicht der Sinn dieses Artikels, denn hier soll es mehr um eine Art "Sicherheitsphilosophie" gehen, und die wird im folgenden Mail fortgesetzt:

Hallo Herr Weber,

Den Teil Ihrer Ausführungen, demgemäß bereits jetzige Bordrechner (verantwortlich geflogen bin ich das letzte mal 1976 und da gab es so etwas noch gar nicht) eine Überziehwarnung integriert enthalten, hatte ich in dem dichten Gesprächsfluss gar nicht recht aufgenommen; umso besser, dass ich nun auch dieses weiß.

Noch eine Frage zur passiven Sicherheit:

Von der Konstruktionssystematik her kommend würde ich eigentlich neben dem wohl in den letzten Jahren beschrittenen Weg der verformbaren Verstärkung des Cockpits vor allem
A) an eine Positionierung des Pilotenoberkörpers hinter der Tragfläche und der Füße unter der Tragfläche denken, verbunden mit einer positiven V-Pfeilung des Flügels und/oder einem größeren und tragend ausgelegten Höhenleitwerk
B) oder eine Tiefdeckeranordnung mit Pilotenplatzierung auf oder wiederum hinter dem Flügel.

Schließlich haben die Flügel eine hohe Steifigkeit und einen sehr hohen Anteil an der Gesamtmasse des Flugzeuges. Also wäre es sinnvoll, nicht etwa den Piloten als Verformungszone zum Schutze des Tragflügels zu missbrauchen, sondern vielmehr den Flügel sofort seinem Crash-Schicksal zu überlassen und es dem Piloten zu ersparen, dass der ihm in den Nacken haut.

Was spricht eigentlich dagegen? Die schlechtere Sicht nach vorne unten? Und im Falle B) der etwas größere Widerstand am Rumpf-Flächen-Übergang?

Meine Recherche ergab: In den 30er-Jahren gab es mal einen Schulseglertyp (RRG Falke von Lippisch), der den Piloten unterhalb der Tragfläche aufnahm. (Er nahm also schlechte Sicht nach oben in Kauf, ähnlich wie bei einem Doppeldecker.) Der Flügel hatte eine deutlich positive Pfeilung. Auf diesem Typ soll - trotz der vorsintflutlichen Start- und Schulungstechniken damals - kein einziger Schüler zu Tode gekommen sein.

(Nach meiner Einschätzung ist die Überlegung, das kostbare Energieabsorptionspotential auf die Insassen zu konzentrieren letztlich auch der entscheidende Grund in der Evolution der PKW dafür, dass sich die Anordnung des Motors vorne durchgesetzt hat, unabhängig davon, ob die Vorder- oder die Hinterachse angetrieben ist. So braucht man dessen große Masse beim Frontalunfall nicht mehr abzufangen sondern lässt ihn nahezu ungebremst in das Hindernis knallen. Auch die einzigen noch verbliebenen Heckmotor- und Mittelmotor-Typen mit ernstzunehmender Qualität und Stückzahl bestätigen als Ausnahme diese Regel: Beide Porsche-Sportwagen-Baureihen zeigen mit ihrem hohen Gewicht und hartem Knautschverhalten, wie schwer eine Struktur gerät, die auch noch die Motormasse abfangen muss.)

So ein Typ dann noch mit dickem Profil (ca. 18%)und geringerer Flächenbelastung für besten Langsamflug und mit einziehbarem Zweibeinfahrwerk, fände das keinen Markt? Ich wäre jedenfalls begeistert. Den könnte man auch bei schwachem Wetter zum Vergnügen und zur Schulung fliegen.

Freundliche Grüße

Klaus Kleinhoff

Hallo Herr Kleinhoff

Ja, aber kaufen würde so ein Flugzeug eben kein Mensch, denn:

"Safety does not sell!"

 

Hallo Herr Weber,

Mag im Moment schon so sein. Und die Zeiten ändern "sich" auch nicht; wir müssen Sie schon ändern.

Eine ähnliche Verzweifelung wie bei Ihnen gab es zum Beispiel bei Mercedes Benz Anfang der 50er-Jahre. Keiner interessierte sich für deren "Sicherheitsfahrgastzelle", die bei Vorstellung der Ponton-Baureihe propagiert wurde; nur für die Blechdicke. Und der damals bereits (auf einen schwedischen Erfinder zurückgehende) von Mercedes Benz vorgeschlagene Dreipunkt-Sicherheitsgurt wurde auch erst nicht recht angenommen.

Durchgesetzt wurde dieses Denken wie folgt:
Die Sicherheitsingenieure (in einem Gemisch aus volkswirtschaftlicher Verantwortung und eigenem Interesse an der Sicherheit und Bedeutung ihrer Arbeitsplätze) platzierten bei Versicherungsvertretern die Nachricht, dass die hohen Todes- und Verletztenzahlen durch Sicherheitsmaßnahmen im Fahrzeugbau deutlich gedrosselt werden könnten. Da solche Maßnahmen aber Geld kosten und zudem die Fahrleistungen etwas senken, seien sie aber nur dann für die Anbieter lukrativ, wenn die Maßnahmen entweder vom Gesetzgeber vorgeschrieben würden oder ein Wandel im Käuferverhalten anderweitig herbeigeführt würde.

Beides stieß bei den Vertretern privater Krankenkassen (so wurde mir mal kolportiert) auf Interesse. Denn gerade deren wohlhabendere Klientel mit den schnelleren aber genauso unsicheren Fahrzeugen hatte viele Opfer zu beklagen. Sie ließen sich mit vor den Wagen jahrelanger - und letztlich erfolgreicher - Lobbyarbeit spannen. Der endgültige Durchbruch kam dann, als in den USA die Welle extrem hoher Schadensersatzklagen anlief (die mit der dort zulässigen Anwaltshonorierung nach Prozessertrag zu tun hat) und zur Eindämmung der ruinösen Zahlungen Vorschriften zur passiven Sicherheit erlassen wurden. Die damals extrem stark auf den US-Markt angewiesenen schwedischen Autobauer (Exportanteil rund 90%) Saab und vor allem Volvo passten sich rasch an und hatten als erste den Mut, dies auch in der Werbung herauszustellen. So begann der Siegeszug des Themas passiver Sicherheit Anfang der 70er-Jahre und wurde durch die Berichterstattung des ADAC weiter angeheizt.

Dahingestellt, dass das volkswirtschaftliche Interesse an Segelflugzeugen und Segelfliegern um etwa drei Zehnerpotenzen geringer sein dürfte als bei PKW, da aber Risikoursachen und -folgen gut nachvollziehbar sind, müsste sich einiges übertragen lassen.

Also wenn ich zu Ihrem Betrieb gehören würde, ich wüsste, wie ich meine Kampagne beginnen würde; und meinen Umsatz in den USA steigern würde.

Freundliche Grüße

Klaus

Hallo Herr Kleinhoff

Es ist immer wieder interessant, Ihre Stellungnahmen zu lesen und Sie haben ja auch nicht unrecht.
Nur das mit den drei Zehnerpotenzen stimmt eben auch und die kleine Firma "DG" hat eben nicht die Möglichkeiten wie eine ganze Autoindustrie.

Ich könnte unseren ganzen Mailverkehr zusammen veröffentlichen und damit eine Diskussion los treten.

Das könnte ein wenig helfen. Soll ich?

Lieber Herr Weber,

Okay!

Noch ein Wort zu den Zehnerpotenzen: Auch im Formel 1 - Geschäft war Sicherheit lange Zeit verpönt. Sie wissen, wie wahnsinnig viele tödliche Unfälle bis zum schweren Unfall des Niki Lauda vorkamen. Erst danach (vermutlich gerade weil er überlebt und sein entstelltes Gesicht gezeigt hat und eben nicht heldenhaft verschwunden ist) wurde Sicherheit zum Thema.

Leistung lässt sich nämlich nur solange gut verkaufen, wie die Leistungsträger schön sind und als anständige, irgendwie vorbildliche Leute erscheinen. (Wenngleich man sich heutzutage an den Kopf fassen kann, was so alles als Vorbild genommen wird.) Darum wird auch kaum über die Paralympics berichtet. So gesehen hat die Formel 1 viel mehr aus dem länger zurückliegenden Unfall des Niki Lauda gelernt als etwa aus dem letzten tödlichen, den von Ayrton Senna.

Ein Grand Prix in der Formel 1 ist zwar auch ein größeres Geschäft als eine Segelflug­Weltmeisterschaft in der Offenen Klasse, aber das Größenverhältnis ist da nicht rund drei Zehnerpotenzen sondern nur etwas mehr als eine. Und selbst dort hat sich inzwischen der Sicherheitsgedanke mit phantastischem Erfolg durchgesetzt. Ich finde, dass dies Mut geben sollte, die Ärmel hochzukrempeln; kein Anlass, zu resignieren, das würde niemandem helfen.

Freundliche Grüße auch an Ihre Frau

Von Ihrem Klaus Kleinhoff

Soweit die bisherige Diskussion.

Zwei Fragen an Sie - unsere Kunden:

1. Hat Ihr Auto "ESP" und falls ja: Ist es abschaltbar? Ich finde es nämlich beschämend, dass uns die Automobilindustrie offensichtlich für so dumm hält, dass wir diesen Sicherheitsgewinn abschalten wollen......

2. Was halten Sie von den verschiedenen hier geäußerten Ideen.
Oder auch: Was mache ich jetzt damit?

weber(at)dg-flugzeugbau.de


Hallo Herr Weber,

zu allererst:
Ihre Homepage, Ihr Informationsforum und die Art Ihrer Öffentlichkeitsarbeit beeindrucken mich in höchstem Maße. Ich fliege zur Zeit eine LS 1 und wenn ich die jemals wegtausche, dann ganz sicher gegen ein Produkt aus Ihrem Hause.

Zu Ihren zwei (Kunden-)Fragen:

1. Mein Auto hat ESP, das ich gelegentlich auch mal wegschalte, z.B. im Winter, wenn ich irgendwo festsitze. Im „normalen“ Fahrbetrieb freue ich mich über den Sicherheitsgewinn.

2. Mehr als der technische Inhalt der geäußerten Ideen beeindrucken mich die Form der geführten Diskussion und die Sichtweise des Herrn Kleinhoff.

Jeder Verkäufer (für mich übrigens ein absolut positiv besetztes Berufsbild) verkauft „Gefühl“ und kein Produkt. Wenn es gelingt, dieses Denken in ein ganzes Unternehmen hineinzutragen, vom Manager bis zum Auszubildenden, der abends die Werkstatt fegt, dann spürt das auch der Kunde. Warum, glauben Sie, gibt es erfolgreiche und weniger erfolgreiche Segelflugzeughersteller? Weil die einen bessere Flugzeuge bauen als die anderen?

Wie ist das bei Automobilen? Mercedes besser als BMW, Audi etc.? Nein nein, das hat mit Gefühl zu tun. BMW hat vor Jahrzehnten den Werbeslogan „… aus Freude am Fahren“ geprägt und lebt damit heute noch. Wie wäre es mit „DG … aus Freude am Fliegen“ (geht natürlich nicht, wäre ja billige Kopie, aber Sie wissen, wie ich es meine). In diesem Sinne sehe ich Ihre mit Herrn Kleinhoff geführte und in Ihrem Forum veröffentlichte Diskussion als sehr wertvoll für die Entwicklung und Zukunftssicherung der Segelflugzeugindustrie an.

Viel Erfolg für Ihr Unternehmen und Sie persönlich,

Martin Brühl


DG Flugzeugbau sucht einen neuen Slogan

".... aus Freude am Fahren" - jedes Wort ist unbezahlbar für BMW gewesen. Und warum soll DG nicht auch solch einen Slogan entwickeln? Ich war von der Idee elektrisiert und habe in unserem Unternehmen herum gefragt. Eines unserer "Lehrmädchen" - neudeutsch "Azubine" genannt - kam gleich mit einer ganzen Seite voller schöner Vorschläge.

Und dann habe ich einen Freund gefragt, der was von Marketing kennt, ob er mir einen Slogan liefern könne. Er schrieb mir zurück:

Lieber Friedel,
interessante Aufgabe. Ich schlage vor, dass wir jetzt zunächst das Emnid Marktforschungsinstitut beauftragen mit einer repräsentativen Befragung der deutschen Bevölkerung - ich schlage hier Flieger und Nichtflieger vor, da uns so eine Potenzialschätzung der ungenutzten Käuferschichten ermöglicht wird -, um anschließend mit einer deutschen, aber in ein internationales Netzwerk eingebundenen Werbeagentur und einigen Linguistikern nach einem umfassenden Brainstorming, dass übrigens aufgrund der Kreativitätsbeeinflussung an einem mit dem Fliegen verbundenen aber eindrucksvollen Ort - vielleicht eine Bucht für Wasserflugzeuge auf Antigua - statt finden sollte, eine juristische Analyse vor zu nehmen der Schutzfähigkeit einerseits aber natürlich auch eine Differenzierungsanalyse zu Wettbewerbern oder Nichtwettbewerbern, denn die eindeutige Zuordnung eines Slogans zu nur einem Unternehmen ist ja zwingend - insbesondere aber die Assoziativreaktionen auf ihre Positionierungsadäquanz im Hinblick auf die gegenwärtige aber auch unter Berücksichtigung der zukünftigen Unternehmens- und Produktpositionierung vornehmen.

Alles Klar??
Tja, so oder so ähnlich hätte ich das noch bei ...............  oder einem anderen Markenartikler gemacht - und so ein Geschwafel, vielleicht etwas pointierter und mit optimierter Interpunktion, wird tatsächlich in Unternehmen diskutiert - und anschließend bezahlt.

Ein paar Gedanken habe ich mir gemacht und habe (das erkläre ich aber nur bei einem Bier) mich etwas ernster damit auseinander gesetzt.

Zunächst einmal: Überlege, ob man hierzu nicht auch Deine Leser der Piloten-Info auffordern sollte.
Erstens bekommst Du sicher noch einige gute, kreative Vorschläge,
zweitens fühlen sich die DG Nutzer in der "Community" eingebunden und identifizieren sich möglicherweise noch stärker mit DG und den Flugzeugen und
drittens ist das billigste Marktforschung.

Die Leser werden in einem Slogan auf den Punkt widerspiegeln wollen, wie sie DG sehen. Diese Chance solltest Du Dir nicht entgehen lassen. ABER!!!!!!. Nicht abstimmen lassen und keine Vorschläge zur Beurteilung oder als Beispiel vorgeben, sondern unbeeinflusst antworten lassen! Außerdem würde ein "Abstimmen lassen" den Eindruck von Unsicherheit etc. erwecken können.
Also, die Idee mit der Befragung mal sacken lassen.

Für den Slogan sollten verschiedene Dimensionen Berücksichtigung finden. Sicherlich Emotion, aber auch in den Slogan eingebundene sachliche Differenzierungskriterien zum Wettbewerb, die gleichzeitig die tatsächliche oder gewünschte Positionierung von DG zum Ausdruck bringen.
Wenn man darüber nachdenkt, gibt es folgende Punkte (aus meiner Sicht nach kurzer Überlegung - Du kannst die Liste gerne verlängern)
 


Ein Slogan sollte versuchen, dieses in einer Form widerzuspiegeln, die glaubwürdig und nachvollziehbar ist, ohne "hölzern" zu klingen.
Na ja, und nach vielen Ent(Ver-)würfen "DG - weil es Spaß macht zu fliegen", etc... kommen im ersten Entwurf folgende Slogan´s heraus:

DG - Begeisterung Fliegen
DG - Mit Begeisterung Fliegen
DG - Leidenschaft Fliegen
DG - Mit Leidenschaft Fliegen
DG - Leidenschaft des Fliegens

und: meine beiden Favoriten:!!!

DG - Technik - Leistung - Leidenschaft!
DG - Technologie - Leistung - Leidenschaft!

Warum?


Dieser Slogan wirkt ebenso nach innen auf die Mitarbeiter und Unternehmenskultur und ist Orientierung für die Einstellung zur täglichen Arbeit und die Leistungsbereitschaft!

Lange Rede-kurzer Sinn. Das isses!

DG - Technik - Leistung - Leidenschaft!

DG - technology - performance - passion!

Herzliche Grüße
Markus

Markus Kepka

Ergebnis:

Sie kennen ihn ja:

"Passion Power + Performance"
 der neue Slogan von DG Flugzeugbau!

- friedel weber -

 

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