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Potenzielle Gefahren beim Wellenfliegen

Es ist ein wunderbar ruhiges Fliegen, in einer Welle aufzusteigen und die Landschaft aus großer Höhe zu betrachten. Und dennoch gab es einige Unfälle, dass sich Flugzeuge an starken Wellentagen zerlegt haben. Das liegt natürlich an den Rotoren, die manchmal mit unglaublicher Gewalt das Flugzeug hin- und herschleudern können. Ich selbst hatte in Südfrankreich am Pic de Bure einmal das "Vergnügen", mich zu fühlen wie ein welkes Blatt im Herbststurm, während meine Videocamera immer wieder versuchte, ein Loch in die Kabinenhaube zu schlagen und mein Kopf schmerzhaft quittierte, dass ich nicht ausreichend fest angeschnallt war....

Ist solche Situation gefährlich für ein Flugzeug?
Grundsätzlich "Nein", solange der Pilot mit einer Geschwindigkeit unterhalb der Manövergeschwindigkeit fliegt - also im grünen Bereich des Fahrtmessers. Bei der Geschwindigkeit können die schlimmsten Luftkräfte dem Flugzeug nichts anhaben, denn dafür ist es gebaut und geprüft. Viel eher wird der Pilot bei dieser Art der Fliegerei versagen, als es das Flugzeug tut.

Ganz anders ist die Situation bei höheren Geschwindigkeiten - aber das wissen Sie ja.
Und kam es mehrfach vor, dass ein Flugzeug in der Welle abmontierte und deshalb geben wir jetzt die Theorie eines amerikanischen Piloten dazu wieder:

Stellen wir uns die folgende Situation vor:
Ein Pilot fliegt mit Rückenwind in einem Wellensystem und bleibt bewusst unter der Manöver-Geschwindigkeit. Dabei ist die Luft ja völlig ruhig und er könnte viel schneller fliegen, aber er ist ja vorsichtig! Er überfliegt einen Gebirgskamm und erwartet dahinter die nächste Leewelle, in die er mit einer 180 Grad-Kurve eindrehen will. Plötzlich macht der Fahrtmesser einen Satz nach oben weit in den gelben Bereich hinein. Der Pilot zieht vorsichtig, um die Fahrt zu vermindern. Er will ja bewusst nicht zu stark am Knüppel reißen bei der hohen Geschwindigkeit. Da trifft ihn schon ein harter Schlag und der Flügel fliegt davon. Bei der hohen Fahrt und der gar nicht so großen Höhe über Grund hat der verblüffte Pilot jetzt nur noch Sekunden-Bruchteile, bis es für ein Aussteigen (ohne Rettungssystem oder NOAH) zu spät ist.

Was war passiert?
Als der Pilot den Gebirgskamm überflog, fiel er unbemerkt nach unten aus der Welle heraus. Aufgrund des starken Rückenwindes war er mit einer Geschwindigkeit von vielleicht 300 km/h über Grund geflogen. Durch den plötzlichen Ausfall dieses Rückenwindes springt der Fahrtmesser nach oben und da trifft das Flugzeug auch schon auf den Wellenrotor, der stationär hinter dem Gebirgszug steht und "knallt" voll in die Turbulenz. Das Flugzeug zerlegt sich sofort "ganz legal".

Normalerweise werden Sie mit dem Wind sowieso nicht unnötig schnell fliegen, weil Sie ja den Schiebewind möglichst lange ausnutzen wollen. Bei Rekord- und Wettbewerbsflügen erscheint die geschilderte Situation aber durchaus realistisch zu sein und muss den Piloten veranlassen, beim Überfliegen eines Gebirgszuges mit Wellen-Rückenwind die Fahrt rechtzeitig zu vermindern - womöglich bis hinunter zur Fahrt des geringsten Sinkens.


Diese zwar logischen aber theoretischen Betrachtungen basieren auf einem Erfahrungsbericht aus den USA. Haben Sie schon ähnliche Erfahren gemacht? Kennen Sie die Situation, dass die Fahrt beim Annähern an einen Rotor plötzlich hochgeht und dann die Turbulenzen das Flugzeug unerwartet hart treffen?
Vielleicht können Sie einen Erfahrungsbericht aus der Praxis beisteuern.
Insbesondere wäre es interessant, die Meinung eines Meteorologen dazu zu hören.

weber(at)dg-flugzeugbau.de
 


Betreff: Beitrag Struktur-Belastung in der Welle
 Datum: Sun, 06 Feb 2000 11:15:33 +0100
    Von:  hubert eckl  
 

Hallo,
dazu kann ich auch ein, für mich damals mehr als verblüffendes Erlebnis
beitragen:

Unser Verein veranstaltete 1994 eine Segelfluglager auf der schwäbischen
Alb. Wir, aus Norddeutschland, hatten zum ersten Mal unsere eben drei
Wochen alte LS6 dabei. Es war ein absoluter Hammertag. Einfach herrlich.
Ich war völlig unerfahren im Umgang mit Rennklassefliegern und wollte
ausprobieren. Über Giengen 2400 mtr. Richtung Kempten...
Mal sehen: Klappen negativ und " gib ihm!"  200...220..230...Rausch
geil....
und da PÄNG macht mein Fliegerchen ein Männchen, das mir die
Gurte drei Wochen ein  Hämatom-Tattoo an der Schulter bescherten.
Die Fahrt war schlagartig weg. Wie mit der flachen Hand aufs Wasser hauen!

Was war passiert? Keine Ahnung! Es muss mehr als ein Hammerbart gewesen
sein.. Es ging mit 5 m/s hoch und 30 sec später genauso runter....
Das in einer tiefblauen großflächigen Wolkenlücke...
Ziemlich verwirrt mit etwas zittrigen Knien flog ich am schnellsten Weg nach
Hause...nachdenken... weiß heute noch nicht was das war..

Es ist schon beachtlich, was Flugzeuge so alles aushalten! Meistens jedenfalls.....

 

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