Dieses ist eine immer wieder gestellte Frage, eine typische FAQ:
"Eure Winglets an der DG-808 sind doch offensichtlich sehr gut.
Kann man die auch an eine DG-400 oder DG-500/22 anbauen?"
Leider muss die generelle Antwort "Nein" heißen und zwar aus drei Gründen:
Die ersten zwei Punkte könnte man immerhin durch eine Winglet-Neukonstruktion in Ordnung bringen.
So haben wir längere Untersuchungen angestellt, evt. die 280 DG-400 mit Winglets nachzurüsten, denn das könnte den Besitzern einen erheblichen Vorteil bringen, den sie auch gern bezahlen würden.
Der dritte Punkt war aber bei der DG-400 unüberwindbar:
Die Flügel sind mit erheblichen Sicherheitsreserven entsprechend der Bauvorschrift versehen, aus Gründen des Gewichts aber natürlich nicht noch mit Reserven darüber hinaus. Die Flügel halten den Belastungsfall von 6 g plus einer Sicherheitsreserve (aber das müssen sie ja auch), jedoch nicht mehr.
Ein Winglet ganz am Ende des Flügels erzeugt zusätzlichen Auftrieb - es kommt ja einer Spannweiten-Vergrößerung gleich - und damit aufgrund des langen Hebelarms ein zusätzliches Biegemoment an der Holmwurzel. Dieser ist dafür aber nicht gerechnet worden.
Es kann durchaus sein, dass ein Bruchversuch, der ja bei neuen Flügeln vorgeschrieben ist, halten würde. Aber der Nachweis muss natürlich auch theoretisch erbracht werden und da hat man keine Reserven eingebaut - warum auch schließlich?
Schon in der Rechnung der statischen Belastung schied also die Möglichkeit der Winglet-Nachrüstung aus. Ganz kompliziert wird der Fall bezüglich dynamischer Kräfte, also bezüglich des Flatterns.
Es ist klar, dass ein Winglet am Außenflügel die Eigenresonanz des ganzen Systems völlig verändert und ob der Flügel dann noch flatterfest ist, muss erst wieder mühsam erprobt werden.
Das lohnt den ganzen Aufwand nicht!
Wir müssen also leider einsehen, dass eine Winglet Nachrüstung normalerweise niemals möglich ist.
Einige Luftfahrttechnische Betriebe bieten allerdings "selbstgebaute" Winglets als Nachrüstung dennoch an. Wir als Hersteller können nur davor warnen:
Solcherart nachgerüstete Flugzeuge entsprechen nicht mehr der Bauvorschrift. Wahrscheinlich wird zwar nichts passieren, weil die Bauvorschrift viele Reserven enthält, aber wollen Sie Ihr Leben einer Wahrscheinlichkeit anvertrauen?
Keine Regel aber ohne Ausnahme:
Bei der DG-300 war der Flügel von Anfang an mit höheren Reserven ausgelegt, und so wurden für den Typ DG-303 gleich Winglets vorgesehen. Natürlich ist bei älteren DG-300 dann auch eine Nachrüstung möglich und sinnvoll.
Ähnliches gilt für die DG-600, die auch noch eine gewisse Festigkeitsreserve im Flügel hat, so dass eine Winglet-Nachrüstung dort ebenfalls möglich ist - sogar verbunden mit einer Vergrößerung der Spannweite auf 18 Meter.
Spezialisiert darauf ist übrigens die Firma Güntert & Kohlmetz in Bruchsal.
In diesem Zusammenhang auch gleich eine Antwort auf die Frage, ob man nicht z. Bsp. bei einer DG-400 die "Ohren" für 17 m um 0,5 m verlängern kann, um einen reinen 18m-Flieger zu bekommen.
Ein Pilot fragt auch, ob man vielleicht die Ansteckflügel der DG-800 um einen Meter verlängern könnte, man hätte dann einen schönen 20m-Flieger.
An sich lassen sich diese Ideen ja beliebig fortführen und ehe man es sich versieht, hat man aus einer DG-400 eine ASW-22 gemacht.......
Wie schon erklärt, ist das alles nicht möglich.
Wenn ein Flügel mehr als die ursprünglich vorgesehene Spannweite haben soll, muss das Mittelteil eine erhebliche Festigkeitsreserve aufweisen. Wenn die nicht da ist, geht es nicht. Wenn sie dagegen vorhanden ist, ist der Mittelflügel ziemlich schwer und ganz nebenbei auch teuer. Wer schon einmal zum Bsp. eine ASH-25 aufgebaut hat, weiß, wie unglaublich schwer der relativ kleine Mittelflügel ist. Da sitzt soviel Kohlefaser drin, dass man sich schier das Kreuz verrenkt. Und das will man natürlich nicht für einen 18m-Flieger erleben.
Jeder Flügel wird auf eine Spannweite optimiert. In Grenzen kann man schon variieren wie z. Bsp. bei einem 15/18 m-Flügel oder einem 18/20/22 m-Flügel, aber damit ist die Variationsmöglichkeit auch schon erschöpft.
Nachträgliche Spannweiten-Verlängerungen sind im allgemeinen unmöglich!
Aber auch hier wieder die schon erwähnte Ausnahme:
Bei der DG-600 ist eine Vergrößerung auf 18 Meter möglich. Allerdings muss man gleichzeitig eine gewisse Verringerung des maximal zulässigen Gesamtgewichts hinnehmen - man kann also nicht so viel Wasserballast tanken.
Es ist kaum zu glauben, dass nach diesen deutlichen Worten dennoch ein Betrieb in Grossbritannien Winglets für die DG-400 entwickelt hat und damit Werbung macht.
Deshalb hat Wilhelm Dirks ihm die folgende Warnung zugesandt:
Ich weise Sie darauf hin, dass aufgrund der Festigkeitsberechnungen für den Flügel der DG-400 Winglets an den 17m-Enden nicht erlaubt sind.
Solche Winglets können in keinem Land zertifiziert werden und es ist absolut illegal, damit zu fliegen.
Bitte unterlassen Sie sofort jede weitere Werbung dafür!
Mit freundlichen Grüßen
Wilhelm Dirks
DG Flugzeugbau GmbH
Es ist ganz einfach:
Der Flügel der DG-400 ist nicht stark genug für die zusätzlichen Belastungen, die aus der Benutzung von Winglets herrühren.
Wenn Sie dennoch mit solchen Winglets fliegen, ist das lebensgefährlich!
Ein Pilot aus Japan hatte sich selbst Winglets für seine DG-400 gebaut.
Nach unserer Warnung hat er sie wieder abgeschnitten.